Fasnacht 2025/26
GV 2026
Höret, höret…
Die Urmi Schlegel, so hiess es im Dorfe, würden am besagten 23. Mai ihre ehrwürdige GV zelebrieren. Doch die Brieftauben der Moderne scheinen nicht mehr das zu sein, was sie einst waren. So erreichte die Kunde über den Anlass des Treffens nicht alle Urmis gleichermassen.
Es schien erhebliche Uneinigkeiten darüber zu geben, zu welchem Zwecke man sich an jenem Abend zu kleiden gedachte. Während die einen von süffigen Ferien am Strand träumten, waren andere überzeugt, es ginge hoch hinauf in die Berge. Wieder andere erschienen, als hätten sie noch einen zusätzlichen Arbeitstag vor sich. Manche wirkten gar, als wollten sie einem heiligen Gottesdienst oder der Beerdigung eines wohlhabenden Ehegatten beiwohnen. Man munkelte sogar, eine gewisse Zahnfee habe echte Weisheitszähne als Ohrschmuck getragen.
Ob passend für die Fasnacht, den Fussballplatz oder den sonntäglichen Kirchgang gekleidet, einigte man sich schlussendlich dennoch darauf, die GV in der Herberge zum Pompello abzuhalten. Denn egal, wo sich die Urmis zusammenfinden, eines ist gewiss. Es wird ereignisreich.
Und genau so sollte es kommen.
Als die Urmis aussergewöhnlich früh und ganz entgegen der üblichen Urmi Pünktlichkeit ihre Plätze einnahmen, wurden wir, wie es sich für ein Oberhaupt gebührt, von unserer Präsidentin willkommen geheissen. Auch unser Major hatte eine Rede vorbereitet. Diese jedoch wurde äusserst amateurhaft nicht korrekt abgespeichert. Was für ein Anfängerfehler. So musste die Ansprache auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Nachdem die Traktanden der ersten Hälfte ungewöhnlich zügig abgearbeitet worden waren, gönnte man sich eine ausgiebige Pause. Unser Major nutzte diese Gelegenheit gemeinsam mit tatkräftiger Unterstützung, um sein verlorenes Pergament wiederherzustellen. So konnten wir schliesslich doch noch den heiligen Worten des heute als Ministrant gekleideten Majors lauschen und gemeinsam die vergangene Fasnachtssaison Revue passieren lassen.
Zudem durften einige Ehrenauszeichnungen verliehen werden. Gewisse Urmis hatten bereits über zehn Dienstjahre im Verein absolviert. Auch ein Antrag zur Kürung eines Ehrenmitgliedes ging ein. Wie es sich für unsere Präsidentin gehörte, erhielt sie eine gar märchenhafte goldene Trophäe für ihren unermüdlichen Einsatz im Verein. Manche böse Zunge würde wohl behaupten, ihre pädagogische Erfahrung mit Kindergärtlern sei eine äusserst wertvolle Ressource im Umgang mit den Urmis.
Nach der erfreulichen Rede unserer Geldeintreiberin mussten leider auch schwerere Themen angesprochen werden. Es galt Abschied zu nehmen. Einige Urmis schienen auf den falschen Pfad geraten zu sein und tatsächlich zu glauben, ein Austritt sei der richtige Weg. Welch Irrglaube. Auffällig viele Urmis schienen an jenem Abend von einer plötzlichen Pollenallergie geplagt zu werden. Anders liessen sich die glasigen Augen wohl kaum erklären. Es war uns jedenfalls eine feierliche Ehre, diese holden Urmis in unseren Reihen gehabt zu haben.
Da die Einkünfte in diesem Jahr beinahe denjenigen des Adels glichen, wollte man den Abend standesgemäss ausklingen lassen. So begaben wir uns ins Schwyzer Stubli. Im kaiserlichen Vorgarten nahm man Platz und dinierte, wie es sich für wohlhabende Herrschaften gehörte.
Zwei Urmis hatten an jenem Abend ein besonderes Tränklein namens Tubi degustiert. Wobei «gebechert» wohl eher zutreffend wäre. Das wundersame Schnäpschen aus dem fernen Israel soll der Legende nach eine ganz besondere Wirkung auf Geist und Gemüt haben. Diese stimmungsaufhellende Wirkung tritt vermutlich jedoch nur bei angemessenem Konsum ein.
Denn ein gewisser Ministrant war an jenem Abend wohl etwas zu gottesgläubig unterwegs und gönnte sich auf nüchternen Magen bereits einige Gläser des Trankes. Obwohl der «Kotztest» zu Beginn noch negativ ausfiel, meinte er bald schon mit besorgtem Blick: «Irgendwie isch mer nid so wohl…»
Kurz darauf wurde uns ein Salat mit allerlei Kuriositäten serviert. Einige Zutaten liessen sich eher erahnen als erkennen, doch geschmeckt hat er offenbar hervorragend, denn ein gewisser Fussballfan verspeiste gleich drei Teller davon.
Dem geistlichen Herrn hingegen ging es nach den ersten Bissen zunehmend schlechter. Nach unzähligen WC Gängen und verbrauchten Schweissperlen stand der Entschluss fest, den Heimweg anzutreten. Ein letztes Mal machte er sich auf den Weg zur stillen Kammer des Edelrestaurants.
Und dann endlich. Das erlösende Kötzchen.
Nach einem kleinen Spaziergang samt Katzenstreicheln kehrte er wie ausgewechselt zurück an unseren Tisch. Es ging ihm besser denn je. Ob göttliche Hilfe im Spiel war oder doch die magische Wirkung des Tubi eingesetzt hatte, sei dahingestellt. So schnell es mit ihm bergab gegangen war, so schnell schien er nun wieder auferstanden.
Daraufhin verspeiste er zweieinhalb Portionen der edlen Tomatenpasta und wirkte in diesem Moment wie der glücklichste Ministrant der Welt.
Auch unsere Zahnfee zeigte sich erleichtert. Der Termin, von welchem sie bereits seit einer Woche überzeugt gewesen war, dass er an diesem Abend stattfinden würde, war glücklicherweise erst auf den morgigen Tag angesetzt. Herausgefunden hatte sie dies durch einen Anruf ihres Partners, welcher anstelle einer Geburtstagsparty lediglich eine leere Wohnung vorfand.
Die Stimmung war ausgelassen. Es wurden tiefgründige Gespräche über Timmi der Wahl geführt sowie über WC Besuche, bei welchen man Salatblätterreste wegspülen musste. Die Euphorie einiger Urmis war derart gross, dass sie diese lautstark kundtun wollten und dabei nicht selten die Aufmerksamkeit der übrigen Gäste auf sich zogen.
Obwohl wir vermutlich nur bedingt in das sonst so edle Restaurant passten, spendierte uns das Haus dennoch ein Dessert. In anderen Ländern würde dies womöglich als höflicher Hinweis verstanden werden, nun endlich aufzubrechen. Ob man uns tatsächlich mochte oder lediglich loswerden wollte, bleibt bis heute ungeklärt. Besonders das heruntergeworfene Glas eines gewissen Herren lässt Raum für Spekulationen.
Nachdem die Mägen gefüllt waren, verspürten einige noch den Drang, sich, Zitat, «einen hinter die Rüstung zu eimern». So zog es gewisse Urmis weiter ins Gasthaus zum Mill, wo ein übermütiger Urmi womöglich ein Tablar zu viel bestellte.
Andere hingegen wollten der gehobenen Gesellschaft des Stublis noch etwas länger angehören. So zog es sie auf die Dachterrasse, wo man sich, wie es sich für Wohlhabende gehört, noch eine Zigarre gönnte.
Was sich dort oben weiter zutrug, blieb der Autorin bis heute verschwiegen.
Und vielleicht ist dies auch besser so.
Doch für einen gewissen Urmi hielt die Nacht noch eine ganz besondere Überraschung bereit.
Als er nach diesem durchzechten Abend endlich sein Schlafgemach aufsuchte, bot sich ihm ein wahrhaft kurioses Bild. Sein Bett war mit Klebeband fixiert. Doch dies war längst nicht der erstaunlichste Anblick.
Denn direkt neben dem Lager thronte ein beinahe lebensgrosses Plakat eines durchaus attraktiven Urmis, dessen Blick unverwandt auf das Bett gerichtet war. Ob dies der Einschüchterung, der Dekoration oder gar romantischen Absichten dienen sollte, blieb ungeklärt.
Und so endete die denkwürdige Zusammenkunft der Urmi Schlegel, wie sie begonnen hatte. Mit Chaos, Gelächter und mehr Fragen als Antworten.
Eure La Cambiante









